City Trip - Venedig 02/2026

10.02.2026

Vorwort:

Venedig – La Serenissima – die Stadt mit ihren 468 Brücken. Viele von euch denken jetzt sicherlich: Überlaufen von Touristen, strömender Regen und Nebel in dieser Jahreszeit das ständige Ringen mit der perfekten Foto-Location. Ausreden, um fernzubleiben sind viele zu finden: Menschenmassen, zu wenig bzw. kein Wildlife zum Fotografieren, zu viele Klischees. Auch ich immer wieder hatte diese Ausreden.

Doch letzte Woche änderte sich mein Blick: günstige Zugtickets flackerten auf dem Bildschirm, und ich fragte mich, wieso nicht, so kurz vor dem Karneval? Im Februar, wenn Regen, Sonne und Nebel die Stadt mit Masken aus Dunst zwischen den Kanälen malt, könnte etwas Besonderes entstehen. Da ich diese Woche frei habe, drückte ich auf den Button "Buchen", und so beginnt morgen mein neues Kapitel: Ab nach Venedig!

Was mich erwartet? Vielleicht stille Morgenstimmungen an den Giardini, oder die Begegnung mit Einheimischen, die den Alltag zwischen Palästen und Brücken leben. Ich möchte Geschichten hinter den Fassaden schauen, Licht- und Wasserstimmungen festhalten, und das Unverwechselbare jenseits der bekannten Motive entdecken.

Anreise

Am frühen Morgen fuhr ich mit dem Regionalzug zum Hauptbahnhof. Dort stieg ich in den Eurocity nach Venedig um, der bereits auf Gleis 12 wartete und suchte meinen reservierten Sitzplatz in der ersten Klasse. Leider konnte ich im Vorfeld nicht selbst wählen, ob ich einen Fensterplatz und in Fahrtrichtung wählen. Und natürlich bekam ich genau das Gegenteil zugeteilt. In meinem Abteil waren noch drei weitere Fahrgäste. Ich wartete bis der Zug losfuhr, schaute mich dann in Ruhe nochmal in der ersten Klasse um und fand ein Abteil ohne Reservierungen. Ich zog um und hatte schließlich doch einen Fensterplatz in Fahrtrichtung. Über Rosenheim, ein paar Stationen in Österreich fuhr der Zug nach Italien. Eine herrliche Kulisse zeigt der Blick aus dem Fenster, wenn man durch die Alpen fährt. Ich genoss die siebeneineinhalb Stunden in meinem Abteil ganz alleine, schaute Filme, schlief etwas und schaute mir immer wieder die vorbeiziehende Landschaft an. Mit leichter Verspätung erreichte der Zug Venedig.

Dort verließ ich den Bahnhof und beschloss, zu Fuß zu meinem Hotel zu laufen, welches ganz in der Nähe vom Markusplatz in einer Seitengasse liegt. Ihr denkt jetzt vielleicht, dass es teuer ist, aber erstaunlicherweise war es das nicht. Ich verglich die Preise im Vorfeld und es war teilweise sogar günstiger als andere Hotels weiter weg. Und für mich, die morgens gerne schon vor dem Frühstück zum Fotografieren hinausgeht, ist es perfekt. Und so lief ich mit meinem kleinen Koffer durch die Gassen Treppe rauf und wieder runter in Richtung Markusplatz. Und ich muss sagen, alleine der Weg zum Hotel hat mir schon gereicht, um Venedig toll zu finden. Die kleinen Gassen, dazu noch die Brücken, das ist alles toll. Die Menschen mit ihren Karnevalkostümen oder Masken, ich kam mir vor wie in einem Traum. Und wirklich viel los war auch nicht. Im Hotel checkte ich ein, zahlte noch die Citytax und bezog mein kleines verwinkeltes Zimmer.

Anschließend schnappte ich meine Fotoausrüstung und machte mich auf den Weg, die Stadt etwas zu erkunden. Zuerst gelang ich nach gut zwei Minuten zum Markusplatz. Hier wimmelte es selbstverständlich von Touristen. Außerdem legte ein DJ auf und überall präsentieren sich die Verkleideten in ihren Gewändern. Es waren begehrte Fotomotive.

Mir fiel auf, dass auch einige professionelle Fotografen unterwegs waren. Lange hielt ich mich dort nicht auf, denn ich wollte zur "Calle Contarini del Bovolo". Er ist ein gotischer Palast im Stadtviertel San Marco in der Nähe des Campo Manin. Doch als ich dort ankam, war leider schon geschlossen. Also spazierte ich weiter durch die Gassen, bis ich zur "Ponte della Paglia"und dem Hafen kam. Dort wurde auch wieder fleißig gepost und fotografiert.

Lange hielt ich mich hier nicht auf und so schlenderte ich weiter durch das Viertel "San Marco", bis ich irgendwann zur Rialtobrücke kam.

Aber hier war mir zuviel los und ich suchte abseits der Hauptsehenswürdigkeiten ein günstiges Restaurant. Und nach einer Weile fand ich auch einen kleinen Italiener, der bezahlbare Preise hatte.

Zurück im Hotel richtetet ich alles für den nächsten Tag, schaute mir noch die Stadtkarte etwas genauer an und knipste früh das Licht aus, denn der Wecker wird mich morgen wieder sehr früh aus dem Schlummer reißen.

1. Tag - Karneval in Venedig

Noch vor dem Frühstück, bei Dunkelheit verließ ich das Hotel und machte mich auf in Richtung Markusplatz. Zum Glück war um diese Uhrzeit noch nichts los und ich konnte ein paar Aufnahmen zur blauen Stunde machen. Das Besondere daran war, dass es in der Nacht geregnet hatte und ich somit auch ein paar Spieglungen einfangen konnte. Nachteilig war, dass überall Wasser stand, sodass man nasse Füße bekam.

Beim Dogenpalast", auch "Palazzo Ducale" genannt, war schon etwas mehr los und um die verkleideten Menschen versammelten sich zahlreiche Fotografen. Fast alle ausgerüstet mit Blitz und Stativ. Ich natürlich nicht, trotzdem bekam ich ein paar Fotos hin. Danach ging ich an den Hafen und an anderen Stellen ans Wasser, versuchte dort ein paar Fotos mit den Gondeln einzufangen. Leider gab es keinen Nebel, sondern es regnete wieder. Also fing ich an, Masken und die Menschen, die dahinter stecken zu fotografieren. Alle hatten Talent sich in verschiedenen Posen zu zu zeigen und hatten daran auch Spaß.

Nach etwa zwei Stunden fotografieren, ging ich zurück ins Hotel, frühstückte und ruhte mich ein paar Minuten aus.

Danach machte ich mich zu Fuß hinüber zur "Santa Maria della Salute", die im Stadtteil "Dorsoduro liegt, einem Stadtteil südlich von "San Marco" der für seine Kunstgalerien, Universitäten und das fröhliche Studentenleben bekannt ist. Der Name Dorsoduro bedeutet wörtlich "harter Rücken". Damit wird darauf hingedeutet, dass der Untergrund, auf dem der Stadtteil errichtet ist, felsigen Ursprungs ist und nicht, wie andernorts in Venedig, erst geschaffen werden musste. In diesem Stadtteil befinden sich Sehenswürdigkeiten wie die Kirche Santa Maria della Salute, zwei Leonardo da Vinci Museen und der Punta della Dogana. Außerdem befindet sich in diesem Viertel die Peggy Guggenheim Collection, die Accademia und die Pinault Collection-Punta Dogana.

Um in den Satdtteil zu gelangen, überquerte ich die Brücke "Ponte dell'Accademia", die über den "Canal Grande" führt und von der man eine schöne Sicht in beiden Richtungen hat.

Ich schlenderte durch die kleinen Gassen, überquerte immer wieder kleine Brücken bis ich am anderen Ende, an der "Santa Maria della Salute" ankam. Auch hier machte ich ein paar Fotos, ging herum und entdeckte ein paar Pelikane. Und dann traute ich meinen Augen nicht. Ich sah tatsächlich Delfine in der Lagune schwimmen. Leider hatte ich mein Teleobjektiv nicht dabei, aber ein toller Moment war es trotzdem.

Anschließend spazierte ich noch zur Brücke "Ponte dei Pugni". Dort wird aus einem Boot Obst und Gemüse verkauft. Etwas weiter wollte ich auch das "Bansky Gemälde" begutachten, doch als ich dort ankam, war es verdeckt, da es aktuell restauriert wird. Schade.

Bevor ich wieder das Viertel verließ, gönnte ich mir noch einen Cappuccino und einen Krapfen.

Gestärkt lief ich etwas durch das Viertel "San Polo". Es ist für den Rialtomarkt und die Rialtobrücke bekannt. Außerdem ist es ein geschäftiges Handelszentrum, denn hier finden sich nicht nur Souvenirshops und Restaurants, sondern auch viele kleine Unternehmen.

Als ich am Rialtomarkt ankam, waren sie schon beim Zusammenpacken. Ich war mal wieder zu spät dran. Vielleicht schau ich in den nächsten Tagen dort noch einmal vorbei. Irgendwann kam ich in das größte Viertel von Venedig "Castello". Wörtlich bedeutet Castello ins Deutsche übersetzt Schloss oder Burg. Eine echte Burg oder ein Schloss gibt es hier jedoch nicht zu sehen. Es ist etwas weniger von Touristen besucht als andere Bereiche, was zu einer authentischeren Atmosphäre führt. Hier bekommt man Einblicke in das tägliche Leben der Einheimischen.

Mein Ziel war ein alter Buchladen, den ich auch fand. Und dort konnte ich mich fotografisch so richtig austoben. Nachdem ich mit meiner Fotoausbeute zufrieden war, schlenderte ich noch etwas durch die Gassen bis ich wieder zum Hafen kam und erstmal ins Hotel zurückkehrte.

Ich ruhte mich aus und informierte mich anschließend, was ich noch Schönes anschauen und fotografieren kann in den nächsten Tagen. Am späten Nachmittag schaute ich nochmal am Markusplatz, der Promenade und in den Stadtteilen "San Marco" und "Castello" vorbei. Außerdem suchte ich auch eine kleine Maske für mich, doch fündig wurde ich noch nicht. Mal sehen, ob ich mich bei so vielen Varianten überhaupt noch entscheiden kann.

Schließlich entdeckte ich einen günstigen Italiener, bei dem ich zu Abend aß und kehrte nach knapp 29.000 Schritten ins Hotel zurück.

2. Tag Einmal quer durch Venedig

Auch heute begab ich mich noch vor Sonnenaufgang hinaus, um die morgendliche Stimmung und die Verkleideten einzufangen. Gefühlt war trotz Regen mehr los als gestern. Einen schönen Sonnenaufgang gab es zwar nicht, aber erneut Fotos zur blauen Stunde mit etwas Nebel.

Halb durchgefroren und etwas müde kehrte ich nach der ersten Fotosession zurück ins Hotel, frühstückte und wärmte mich anschließend auf dem Zimmer etwas auf, bevor ich mich zu Fuß durch das Stadtviertel "San Polo", welches in der Mitte von Venedig liegt, aufmachte. Ich schlenderte abseits durch die Gassen. Heute schaffte ich es, auf dem Rialtomarkt vorbeizuschauen. Viel los war dort allerdings nicht. Die kleinen verwinkelten Gassen oder Plätzen waren beinahe leer, kaum Menschen zu sehen, obwohl es schon die Zeit der Touristen war.

Als Ziel hatte ich mir das Viertel "Cannaregio" auserkoren. Es ist das längste der sechs Viertel in Venedig hat, gemessen an der Strecke, jedoch flächenmäßig das Kleinste. Der Stadtteil wirkt dank zahlreicher Geschäfte und Restaurants sehr lebendig. Hier mischen sich das Leben der Einheimischen mit dem Trubel der Touristen. In diesem Viertel befindet sich auch der Hauptbahnhof "Santa Lucia". Von dort aus führt der Weg nach Norden über die Ponte delle Guglie ins jüdische Ghetta. Ja, es heißt auch heute noch so. Historisch war Cannaregio das Zentrum der jüdischen Gemeinschaft Venedigs, weshalb sich hier bis heute Spuren dieser reichen Kulturgeschichte finden lassen: unter anderem Synagogen und das Jüdische Museum. Übrigens war das jüdische Ghetto von Venedig das erste in Europa (16. Jahrhundert) und damit Namensgeberin aller anderen jüdischen Ghettos in Europa.

Hier war auch nur in den Hauptstraßen viel los, abseits davon konnte man in Ruhe schlendern und das Flair genießen. In einem Kanal, abseits vom "Canal Grande" fand ich ein nettes Café, wo ich mir ein zweites Frühstück gönnte.

Anschließend ging ich in Richtung "Castello" weiter. Dort schaute ich mich erneut etwas in den Seitengassen um. Immer wieder entdeckte ich neue Ecken und Gassen.

Am Frühen Nachmittag kehrte ich zurück ins Hotel und machte ein kleines Päuschen. Den Nachmittag verbrachte ich in "San Marco". Auch dort fand ich immer wieder neue Plätze, Gassen und Fotolocations. Irgendwann zeigte sich endlich der blaue Himmel und ich dachte, vielleicht gibt es ja einen schönen Sonnenuntergang, sodass ich mich auf den Weg zur Promenade machte. Doch aus dem farbenfrohen Sonnenuntergang wurde nichts, dafür bekam ich einen kleinen Umzug mit.

Für mein Abendessen suchte ich eine Weile, bis ich ein kleines, günstige Restaurant in "San Polo" fand. Denn ich fand immer wieder Restaurants die zwei Karten hatten. Einmal für Einheimische und eine für Touristen. Da war das Essen gleich mal 2-3 Euro teurer. Auch heute machte ich alle Wege zu Fuß und hatte am Ende 26.000 Schritte in der Anzeige. Ich bevorzuge das Laufen, denn dann entdeckt man einfach mehr.

Morgen verlasse ich für einen Tag das historische Zentrum von Venedig und werde zwei kleine Inseln in der Lagune erkunden.

3. Tag Burano, Murano und Venedig versinken im Nebel

Noch im Dunkeln lief ich durch die Gassen von Venedig zur Vaporetto Stadion "F.te Nove 'A'" die im Viertel "Cannaregio" liegt.

Dort wartete ich auf die Linie 12. Auf dem Vaporettp kaufte ich bei einem der Crew ein 24 Stundenticket für 25 Euro und fuhr damit etwa eine Dreiviertelstunde hinüber nach Burano, einer kleinen Fischerinsel, die auch für ihre bunten Häuser bekannt ist.

Die Insel lag noch im Tiefschlaf und erwachte nur langsam. Der Nebel zog durch die Gassen und über die Lagune, sodass es richtig mystisch wirke, trotz der farbenfrohen Häuser. Bei Sonnenschein muss es hier ein Traum sein, jedoch dann wahrscheinlich auch mit Massen an Touristen.

Nachdem ich die Insel erkundet hatte, frühstückte ich in einem der vielen kleinen Cafès und fuhr mit dem Vaporetto zurück, machte noch einen Stopp auf der Insel Murano, die für ihre Glasfabriken bekannt ist. Auch hier schlenderte ich etwas durch die Gassen und konnte in zwei Fabriken vorbeischauen und durfte dort sogar etwas fotografieren. Aber viel konnte ich der Insel nicht abgewinnen, sodass ich am frühen Nachmittag zurück nach Venedig fuhr.

Durch "Cannaregio" und "Castello" kam ich wieder am Markusplatz vorbei. Doch hier wimmelte es inzwischen von Menschenmassen, sodass ich wieder kleine Gassen suchte und mir ein Tiramisu "to go" gönnte.

Anschließend kehrte ich zum Markusplatz und zur Promenade zurück, denn dort gab es wieder einige interessante Verkleidungen und Menschen zu fotografieren. Doch irgendwann wurde es mir zu voll und ich verließ die Gegend und schlenderte weiter ins Viertel "Castello". Dort fand ich einen weiteren Platz mit einigen verkleideten Menschen. Ich fokussierte mich dabei nur auf Portraits.

Nach einer guten Ausbeute begab ich mich ins Hotel, ruhte mich etwas aus, packte alles zusammen, lud meine Akkus und machte mich anschließend wieder auf den Weg ins Nachtleben, denn Nachtaufnahmen fehlen mir ja noch.

Abreise

Ein letztes Mal früh aufstehen, um die morgendlicher Stimmung von Venedig einzufangen. Doch anstatt zum Markusplatz und zur Promenade zu laufen, versuchte ich heute die kleinen Gassen und ihre Brücken zur blauen Stunde einzufangen, was mir relativ gut gelang. Es war ja noch ruhig. Doch dies sollte sich bald ändern.

Anschließend schaute ich natürlich nochmal am Markusplatz und der Promenade vorbei, wo sich wieder die Fotografen um die Verkleideten sammelten, die in ihren Blitzlichtern versanken. Das war mir alles zu viel, sodass ich mir ruhige Szenen und Momente suchte.

Leider begann es bald richtig stark zu regnen. Das war für mich das Zeichen, zum Frühstück ins Hotel zurückzukehren. Danach packte ich meine Sachen und checkte aus. Den Koffer ließ ich im Hotel stehen und erkundete ein letztes Mal "San Polo" sowie "San Marco". Und in beiden Stadtteilen fand ich wieder neue Ecken.

Doch der Samstag machte sich bemerkbar. Immer wieder neue Menschenmassen brachen in Venedig ein, dazu der Regen und überall Regenschirme. Das machte einfach keinen Spaß mehr. Ich holte meinen Koffer und lief zu Fuß durch "Cannaregio" zum Bahnhof. Kurz vorher kehrte ich bei einem Italiener ein, aß zu Mittag und gönnte mir noch einen Cappuccino, denn ich musste die Zeit bis zur Abfahrt ja noch irgendwie herumbringen.

Am Bahnhof selbst merkte ich erneut, dass heute Samstag war, kaum ein Durchkommen. Doch mein Zug stand schon bereit. Auch zurück hatte ich wieder ein ganzes Abteil für mich und so genoss ich die Rückfahrt.

Zurück in München fuhr ich mit SBahn und Bus nach Hause. Der Busfahrer hielt direkt vor meiner Straße, denn ab 21 Uhr halten die Busse auf Nachfrage für Frauen auch außerhalb der Bushaltestellen, um die Sicherheit zu gewähren.

Arrivederci, Venezia!